In der Logistik im Gesundheitswesen ist die letzte Meile mittlerweile der kostspieligste, am wenigsten vorhersehbare und operativ kritischste Abschnitt der Lieferkette. Diese Phase macht bis zu 30 Prozent der gesamten Logistikkosten aus1. Fehler in diesem Bereich schmälern nicht nur die Effizienz, sondern können auch direkte Auswirkungen auf die Patientenversorgung, die Einhaltung von Richtlinien und die Geschäftskontinuität haben.
In einer Branche, in der Präzision unverzichtbar ist und Verzögerungen unmittelbare Auswirkungen auf die Behandlung von Patienten haben können, bedeutet dieses Maß an Ineffizienz eine gravierende Schwachstelle. Gesundheitsdienstleister haben ohnehin schon mit steigenden Betriebskosten, komplexen Regulierungsvorschriften und einem wachsenden Versorgungsnetz zu kämpfen. Somit ist die letzte Meile heutzutage ein neuralgischer Punkt von strategischer Bedeutung.
Warum die letzte Meile so kostenintensiv ist
Wenn diverse Ineffizienzen mit den spezifischen Anforderungen im Gesundheitswesen zusammenkommen, treibt dies die Logistikkosten auf der letzten Meile unverhältnismäßig in die Höhe. Im Gegensatz zum Langstreckentransport, bei dem Güter in großen Mengen zwischen festen Drehkreuzen bewegt werden, ist die letzte Meile häufig fragmentiert und mit einer niedrigen Stoppdichte verbunden, da kleine Mengen an eine hohe Zahl unterschiedlicher Zustellorte geliefert werden.
Die Anforderungen an die Logistik im Gesundheitswesen sind nicht verhandelbar und schmälern die Effizienz noch zusätzlich. Häufig müssen temperaturempfindliche Arzneimittel, hochwertige serialisierte Produkte oder kritische Laborproben geliefert werden. Dies erfordert eine fachgerechte Handhabung, strikte Einhaltung der Good Distribution Practice (GDP) und zuverlässige Zustellnachweise (Proof of Delivery, POD).
Scheitert eine Lieferung etwa aufgrund einer falschen Adresse, einer fehlenden Unterschrift oder einer Unterbrechung der Kühlkette, hat dies nicht nur finanzielle Einbußen zur Folge. Es besteht auch die Gefahr einer Beeinträchtigung der Patientensicherheit und/oder eines finanziellen Verlusts hochwertiger, regulierter Arzneimittel.
„Durch die Einführung agiler, in Echtzeit operierender Liefermanagementplattformen können Organisationen im Gesundheitswesen die Logistik der letzten Meile transformieren.“
Die Transparenzlücke
Ein wichtiger Faktor für diese 30-prozentige Kostenlast ist die mangelnde Echtzeit-Transparenz. Viele Logistikabläufe im Gesundheitswesen basieren auf fragmentierten Systemen oder manuellen Prozessen. Dabei sind papierbasierte Lieferscheine noch gang und gäbe. Das Problem: Der Status einer Sendung wird erst Stunden oder Tage später bekannt, wenn eine physische Kopie an das Lager zurückgesendet wird.
Diese mangelnde Transparenz führt dazu, dass Disponenten nur reagieren können, statt vorausschauend zu handeln. Eine Verzögerung erkennen sie erst, wenn sie bereits eingetreten ist. Steckt ein Fahrer im Stau, können sie ihn weder proaktiv umleiten noch überprüfen, ob ein temperaturempfindliches Krebsmedikament innerhalb des erforderlichen Zeitfensters zugestellt wurde. Die fehlende Übersicht beeinträchtigt die Effizienz. Dies wiederum treibt die Kosten in die Höhe: durch unnötige Überstunden, Kraftstoffverschwendung für überflüssige Fahrten und erhöhten Verwaltungsaufwand beim Einholen der Lieferbestätigungen.
Die letzte Meile neu gestalten – für mehr Effizienz
Wenn Gesundheitsdienstleister den Lieferprozess von einem reinen Gütertransportprozess zu einem koordinierten, transparenten Liefermodell transformieren, können sie diesem 30-Prozent-Problem entgegenwirken. Die Lösung hierfür sind Plattformen, die eine lückenlose Kontrolle während des gesamten Prozesses ermöglichen. So wird die letzte Meile von einer bloßen Kostenstelle zum strategischen Faktor für eine sichere, konforme Patientenversorgung.
Moderne Systeme für elektronische Zustellnachweise (ePOD) ersetzen papierbasierte Lieferschein durch digitales Tracking. Jeder Scan wird sofort übermittelt: von der Abfahrt vom Lager bis zur Übergabe mit digitaler Unterschrift und Fotonachweis.
Dank dieser Transparenz können Logistikmanager Probleme sofort erkennen und reagieren, bevor eine Lieferung scheitert. Eine herkömmliche Zustell-App reicht für einen Distributor, der von Arzneimitteln in Großmengen bis hin zu infektiösen pathologischen Proben alles abwickelt, nicht aus.
Eine robuste Plattform hingegen ermöglicht die Einrichtung maßgeschneiderter Workflows, die Fahrer:innen durch obligatorische Fahrzeug-Checks leiten, sie auf bestimmte Temperaturanforderungen hinweisen und die Einhaltung von Vorschriften wie der Fälschungsschutzrichtlinie für Arzneimittel (FMD) und dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) sicherstellen. Durch die Einbettung der Einhaltung von Richtlinien in den operativen Ablauf reduzieren Dienstleister das Risiko menschlichen Versagens und kostspieliger Verstöße gegen die Vorschriften.
Die letzte Meile ist kein isolierter Prozess. Maximale Effizienz entsteht, wenn das Liefermanagement mit den Lager- und Bestandsverwaltungssystemen vernetzt wird. Wenn eine Plattform wie ZetesChronos Teil eines umfassenderen Pakets ist, die Lagerverwaltung (ZetesMedea) und Serialisierungstools (ZetesAtlas) umfasst, profitieren Dienstleister aus einer einzigen zuverlässigen Datenquelle.
Durchgehende Konnektivität sorgt dafür, dass das richtige, konforme Produkt kommissioniert, in der optimalen Abfolge für die Route geladen und auf Anhieb korrekt zugestellt wird. Verschwendung durch Versandfehler und ineffiziente Beladung wird so vermieden.
Aufbau einer resilienten Supply Chain
In einer Umgebung, die von steigenden Anforderungen, zunehmendem Druck durch die Regulierungsvorschriften und hauchdünnen Gewinnspannen geprägt ist, ist Ineffizienz untragbar. Die Lösung liegt nicht darin, an der falschen Stelle zu sparen, sondern in intelligente Lösungen zu investieren.
Durch die Einführung agiler, in Echtzeit operierender Liefermanagementplattformen können Organisationen im Gesundheitswesen die Logistik der letzten Meile transformieren. Sie können einen reaktiven, kostspieligen Ablauf in einen proaktiven, transparenten Prozess umwandeln und so gewährleisten, dass kritische medizinische Güter ihren Bestimmungsort sicher, konform und termingerecht erreichen.
1 Zetes-E-Book, Die erste und letzte Meile als Erfolgsfaktor in Handel und Logistik